Goethe und GENIUS



Der bedeutendste deutsche Dichter, Johann Wolfgang von Goethe, machte 1771 den GENIUS zum Thema seines Gedichtes „Wanderers Sturmlied“. Goethe schrieb es in einer Epoche innerer Unruhe und Glücklosigkeit. Er kann sich zu keiner menschlichen Bindung entschließen und weiß nicht, was er beruflich anfangen soll. In Frankfurt fühlte er sich unglücklich und wanderte nach Homburg und Darmstadt, ohne aber zu finden, was er ersehnt.

Die Motive stammen aus einer Wanderung im Sturm, aus antiken Dichtungen, aus der antiken Mythologie, aus der Bibel, aus der Barock-Tradition und aus der empfindsamen Sprache des 18. Jahrhunderts.

So sprunghaft-assoziativ das Sturmlied ist, es hat doch seine klare Gliederung und Folge. Der Dichter ist auf einer Wanderung, allein im Sturm. Wieweit die Schwierigkeit der Situation symbolisch ist, bleibt unausgesprochen. Ebenso bleibt ungesagt, wieweit dieser Weg eine Art Flucht ist, ein Nicht-Wissen wohin.
Nur der Schluss deutet es an: ihm schwebt eine Hütte als Ziel vor; ein sinnerfülltes, ihm gemäßes Dasein. In diesem Zustand, der Wanderer in der Not, ist nur eins sicher:

GENIUS ist die eigene innere Begabung, die über alle Nöte hinweghilft.

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